Vacaciones (In-)felices

Hola Chiquillos!

Feliz año nuevo, wie wir hier sagen 😉
Jetzt ist schon 2016, die Zeit rast wirklich total, und ich bin schon so ziemlich in der „Halbzeit“ angekommen mit meiner Zeit hier in Chile!
Die letzten zwei Wochen ist wieder einiges passiert, wo fang ich denn am besten an?

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Spontane Lobpreis-Session auf dem Balkon

Na mit Silvester natürlich!
Man hat mir ja vorher schon gesagt, dass Valparaiso zu Silvester ungefähr „the place to be“ sein soll – und: es stimmt.
Was ich da erleben durfte, war wirklich ein ganz besonderes Spektakel!
Wir haben den Abend (wie sollte es anders sein :D) mit einem Essen in der WG begonnen.

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Beim Abendessen in der WG

Danach saßen wir alle noch ein bisschen am Balkon und so ergab sich eine spontane Lobpreis-Session, mit der wir die ganze Calle Blanco beschallt haben – mehr oder weniger schön, aber auf jeden Fall spaßig!
Danach gings auf zum Playa Muelle Barón, wo wir (obwohl wir richtig spät dran waren…ich scheine meine sonst so hochgehängte Pünktlichkeit im Flow des südamerikanischen Lebens endgültig verloren zu haben…) echt noch einen richtig guten Platz auf den Steinen bekommen haben, mit perfektem Meerblick fürs Feuerwerk!

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Dort haben wir dann den Abend verbracht, gelacht, getrunken, und schließlich den Countdown fürs neue Jahr runtergezählt – und das wohl pompöseste Feuerwerk meines bisherigen Lebens gesehen.

Danach sind wir allmählich zum Plaza Anibal Pinto gelaufen, der geradezu überfüllt war – aber man hat natürlich auch viele Leute getroffen, und sich inmitten von Trommelgruppen und Feuerschluckern wieder zu finden, ist auch nicht das Schlechteste…

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Das wohl letzte Foto mit meiner Lederjacke…

So kam es dann aber leider auch, dass ich einen Moment nicht aufgepasst habe, und mir meine heißgeliebte Lederjacke (die mir mein Freund erst vor zwei Wochen mitgebracht hatte) gestohlen wurde…bye bye, und möge den Dieb ein ewig schlechtes Gewissen plagen! 😦
Nichtsdestotrotz hatten wir eine richtig schöne Silvesternacht verleben dürfen 🙂

Letzte Woche Montag ging es dann wieder nach Santiago, denn: die zwei Wochen mit meinem Freund waren leider viel zu schnell schon wieder vorbei…ich habe ihn noch zum Flughafen begleitet, wo wir uns dann verabschiedet haben…
Aber: Mitte März wird er nochmal für zwei Wochen herkommen, um mit mir gemeinsam ein bisschen durch Chile zu wandern 😉
Und ein kleines Video von der Zeit hier hat er auch gemacht – für alle, die es gerne sehen wollen: Hier

IMG_20160111_104100227Seit zwei Wochen läuft jetzt auch das Sommerferienprogramm „Vacaciones felices“ (glückliche Ferien) – und unser harter Arbeitsalltag hat richtig begonnen.
Vacaciones felices bedeutet: ganztägige Kinderbetreuung für über 50 Kids von 4-13 Jahren – von 8.00-18.00 Uhr.
Klingt stressig – ist es auch…aber im Großen und Ganzen macht es auch unglaublich Spaß!
Die Kids sind in drei Gruppen aufgeteilt, „Chicos“ (4-7 Jahre), Medianos (8-10 Jahre), und Grandes (11-13 Jahre).
Vormittags oder nachmittags werden je drei Talleres angeboten, die die Gruppen dann nacheinander durchlaufen.
Wir Volis sind hier immer für den missionarischen Teil zuständig, machen also den „Taller de Misión“ (eine Art Jungscharstunde), und außerdem „Talleres de Lenguaje“, also Sprachkurse (abwechselnd Englisch und Deutsch).
P1050186.JPGDann gibt es noch zweimal die Woche sogenannte „Paseos“, also Ausflüge, vormittags oder nachmittags, in nahegelegene Parks oder Museen.
Freitag sind wir immer den ganzen Tag auf Exkursion, letzte Woche z.B. im Parque Quebrada Verde in Cerro Playa Ancha.
Von den Kindern werden wir immer mit „Tía“ oder „Tío“ angesprochen, was übersetzte „Tante“ oder „Onkel“ heißt…am Anfang fand ich das echt noch richtig witzig, aber mittlerweile stresst es mich eher ein bisschen, 30x am Tag “Tía Melli, Tía Melli!” zu hören 😀
P1050061.JPGWas mich hier wirklich beeindruckt: Wie viel man aus nichts machen kann.
Wenn man aus der deutschen Jugendarbeit kommt, ist man eher ellenlange Materiallisten und viel Vorbereitung gewohnt.
Da Finanzen hier immer ein schweres Thema sind, gibt es Vieles einfach nicht – und spätestens dann heißt es: Improvisieren.
Da kicken die Kids dann eben mit einer leeren Flasche, weil grade der Fußball kaputt ist…
P1050185.JPGFür mich als alten Vorausplaner ist das hier schon echt eine Umgewöhnung, und viel zu oft denke ich: „Nein, wir können das nicht drei Minuten vorher spontan machen, das klappt nicht.“ – solange, bis es dann eben doch klappt – denn: Was man den Chilenen lassen muss: Improvisieren können sie einfach.
Eine andere Sache, die mich hier leider wirklich schockiert, ist die Selbstverständlichkeit, dass die Kinder mit so unglaublich viel Technologie aufwachsen!
P1050195.JPGEs gibt hier vierjährige Kids, die Smartphones besitzen, Achtjährige haben facebook-Accounts – das finde ich schon fast ein bisschen pervers (gut, was die Aktivität von Chilenen in sozialen Netzwerken angeht, darüber habe ich ja schonmal berichtet).
Jedenfalls sind hier glaub ich wirklich wir als Verantwortliche gefragt, dass wir den Kindern in ihren Ferien ein gutes Parallelprogram bieten, das sie ihr Handy mal für einen halben Tag vergessen lässt.
P1050204.JPGUnd jetzt nach fast zwei Wochen haben wir auch ganz gut raus, was die Kids wann brauchen, welche Spiele gut funktionieren, und was man auf gar keinen Fall machen sollte. (nämlich versuchen, mit 13-jährigen „If you’re happy and you know it“ zu singen – zumindest, wenn man nicht ausgelacht werden möchte :D).
Aber wie heißt es so schön: Man wächst mit seinen Aufgaben – und das tue ich hier jeden Tag.
Abgesehen davon lerne ich die letzten Tage so viel neue spanische Wörter, unglaublich!
Und das Beste: Es ist auch ein gegenseitiges Lernen.
Wenn wir den Kindern Englischkurse geben, wissen wir leider beim erklären oft die passenden Wörter auf Spanisch nicht – und wenn ein Kind mich dann ganz verwundert fragt, warum ich nicht weiß, was „Raupe“ auf Spanisch heißt, und ich erkläre, dass ich aus Deutschland komme, und manche Wörter einfach nicht weiß, sind viele richtig stolz, dass sie uns auch noch was beibringen können!
IMG_20160112_120117973.jpg(By the way: „oruga“ heißt Raupe, habe ich heute gelernt!! ;))
Das Programm läuft noch bis Mitte Februar, also insgesamt sieben Wochen.
Danach haben wir den kompletten März frei, um uns von dem Power-Programm zu erholen, und natürlich in unsere wohlverdienten Ferien zu starten!
Ende Februar wird mich meine beste Freundin für drei Wochen besuchen kommen, und wir wollen zusammen durch Chile reisen – und Mitte März kommt dann schließlich nochmal mein Freund, mit dem ich auch noch einen Trip machen möchte.

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Singen und Andacht beim Comedor Solidario

Da wir im Moment ja mit den Ferienprogrammen beschäftigt sind, ruhen die anderen Projekte erstmal.
Das einzige Projekt, das wir trotzdem fortführen, ist der “Comedor Solidario”, unsere Armenspeisung jeden Samstagmittag.
Weil wir im Moment freitags nicht zum Plaza Ecchaurren gehen (das wäre einfach zu stressig), haben wir zumindest durch den Comedor noch eine Verbindung zu den Menschen.
Und jede Woche merke ich einfach aufs Neue: Das ist mein Projekt!
Ich liebe die Arbeit mit den Obdachlosen, und obwohl so eine Armenspeisung natürlich schon stressig ist, empfinde ich das eher auch als Zeit um mal auftanken zu können.

So, das wars jetzt erstmal wieder von mir – ich könnte noch so viel mehr erzählen, aber ich muss mir ja auch noch ein bisschen was aufheben – also bleibt gespannt 😉
In der letzten Zeit ist mir auch immer wieder mein persönliches Fazit vom Zwischenseminar eingefallen: „Do what you can, with what you have, where you are“ – und genau das tu ich jetzt!

Liebe Grüße und viele Sonnenstrahlen ins kalte Deutschland,
Tía Melli 😉

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